Lexikon Reichelsheim (Odenwald)

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  Deutsch-Ungarischer Verschwisterungsverein Reichelsheim - Nagymányok e. V.  

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Der Deutsch-Ungarische Verschwisterungsverein Reichelsheim–Nagymányok e. V. steht für eine lebendige europäische Partnerschaft, die aus persönlichen Kontakten, kultureller Neugier und dem Wunsch nach Verständigung entstanden ist. Aus ersten Begegnungen zwischen Trachtengruppen entwickelte sich über viele Jahre eine feste Verbindung zwischen Reichelsheim im Odenwald und der ungarischen Stadt Nagymányok. Heute prägt der Verein den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, kirchlichen Einrichtungen und kommunalen Vertreterinnen und Vertretern beider Orte.

Wie es zur Verbindung kam

Die Anfänge der Partnerschaft reichen in das Jahr 1988 zurück. Ausgangspunkt war die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. Dort wurde die Frage weitergegeben, ob eine hessische Trachtengruppe bereit sei, mit dem Folklore-Ensemble aus Nagymányok einen kulturellen Austausch aufzubauen. Gerd Schwinn , der Leiter der Trachtengruppe im Odenwaldklub Reichelsheim nahm den Gedanken auf und stellte ihn dem Vorstand seines Vereins vor. Nach ersten schriftlichen Kontakten entwickelte sich ein intensiver Briefwechsel. Dass diese Kontaktaufnahme noch zu Zeiten des Ostblocks stattfand, machte sie besonders bemerkenswert: Begegnungen über politische Grenzen hinweg waren nicht selbstverständlich, mussten abgestimmt werden und brauchten Geduld, Vertrauen und persönliche Initiative.

Die ersten Begegnungen

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Ungarische Volkstanzgruppe beim Hessentag 1988
Foto: Archiv Werner Hilge

Am 12. Januar 1988 beschloss der Vorstand der Reichelsheimer Trachtengruppe, die ungarische Gruppe nach Reichelsheim einzuladen. Vom 1. bis 11. Juli 1988 kam es zur ersten deutsch-ungarischen Begegnung in Reichelsheim. Die Gäste aus Nagymányok wurden aufgenommen, lernten die Region kennen und nahmen unter anderem am Hessentag in Hofheim teil. Bereits im folgenden Jahr, vom 20. Juli bis 4. August 1989, folgte der Gegenbesuch der Reichelsheimer Trachtengruppe in Nagymányok. Diese frühen Begegnungen legten den Grundstein für eine Beziehung, die nicht allein auf offiziellen Kontakten beruhte, sondern vor allem auf persönlicher Gastfreundschaft, gemeinsamer Musik, Tanz, Kultur und gegenseitigem Kennenlernen. Gerade die Begegnungen in Familien, Vereinen und Gemeinden machten aus einem ersten Austausch eine dauerhafte Verbindung.

Vom kulturellen Austausch zur offiziellen Verschwisterung

In den folgenden Jahren wurden die Kontakte immer wieder aufgegriffen und weitergeführt. Ein weiterer Austausch fand 2001 statt, als die Reichelsheimer Trachtengruppe erneut nach Nagymányok reiste. 2003 kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Nagymányok zum Reichelsheimer Michelsmarkt. Neben Mitgliedern der Trachtengruppe nahmen auch kirchliche und kommunale Vertreter teil. Dadurch wuchs die Partnerschaft über den kulturellen Bereich hinaus und erreichte zunehmend auch kirchliche, kommunale und bürgerschaftliche Ebenen.

Im Jahr 2009 wurde die Verschwisterung zwischen Reichelsheim und Nagymányok offiziell geschlossen. Damit erhielt die über zwei Jahrzehnte gewachsene Verbindung einen festen Rahmen. Der Verein übernahm die Aufgabe, die Partnerschaft zu pflegen, weiterzuentwickeln und möglichst viele Menschen aus beiden Orten einzubeziehen.

Weiterentwicklung bis heute

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Besuch in Ungarn 2025
Foto: Werner Hilge

Seit der offiziellen Verschwisterung steht die Arbeit des Vereins unter dem Ziel, die seit 1988 gewachsenen Beziehungen dauerhaft lebendig zu halten. Dazu gehören Bürgerbegegnungen, gegenseitige Besuche, Seniorenaustausch, Partnerschaftswochen und gemeinsame Veranstaltungen. Auch Europafeste und kulturelle Treffen wie Orchestertreffen tragen dazu bei, die Partnerschaft in die Breite der Bevölkerung zu tragen. Die Partnerschaft lebt nicht nur von offiziellen Terminen, sondern besonders vom ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen. Der Verein bindet Vereine, Bürgerinnen und Bürger, Institutionen und Organisationen ein. So entsteht ein Netzwerk, das kulturelle Begegnung, europäische Verständigung und persönliche Freundschaften miteinander verbindet. Die räumliche Entfernung von mehr als 800 Kilometern wird dabei immer wieder durch Begegnungen, Reisen und gemeinsame Projekte überbrückt. Ein besonderer Meilenstein war das 20-jährige Vereinsbestehen im Mai 2025. Dieses Jubiläum machte deutlich, wie beständig sich die Partnerschaft entwickelt hat und wie sehr sie vom Einsatz vieler Ehrenamtlicher getragen wird. Zugleich bot es Anlass, auf die Anfänge zurückzublicken und die Verbindung zwischen Reichelsheim und Nagymányok für die kommenden Jahre weiter zu stärken.

Bedeutung der Partnerschaft

Der Deutsch-Ungarische Verschwisterungsverein Reichelsheim–Nagymányok e. V. ist ein Beispiel dafür, wie europäische Verständigung konkret gelebt werden kann. Aus einer kulturellen Anfrage entstand eine Verbindung, die Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenführt. Sie fördert Respekt, baut Vorurteile ab und macht Europa im persönlichen Miteinander erfahrbar. Gerade in einer Zeit, in der internationale Verständigung nicht selbstverständlich ist, besitzt diese Partnerschaft einen besonderen Wert.

Fazit

Die Geschichte des Deutsch-Ungarischen Verschwisterungsvereins Reichelsheim–Nagymányok e. V. zeigt, dass dauerhafte Partnerschaften oft aus persönlichem Engagement entstehen. Was 1988 mit Briefen, Trachtengruppen und ersten Besuchen begann, entwickelte sich zu einer offiziellen Verbindung und zu einer bis heute aktiven europäischen Freundschaft. Das 20-jährige Vereinsbestehen im Mai 2025 unterstrich, dass diese Partnerschaft nicht nur erinnert, sondern immer wieder neu mit Leben gefüllt wird.

Informationen und Ansprechpartner sind www.reichelsheim-nagymanyok.eu externSW zu erhalten.

 

 

Verantwortlicher Autor:
[Hilge, Werner]