Freiheitslinde
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung in Deutschland mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen nicht mehr einverstanden. Es herrschte Unruhe in Deutschland, man verlangte nach mehr Demokratie.
Diese allgemeine Unzufriedenheit trat auch 1848 in Reichelsheim in Erscheinung. Eine Gruppe revolutionär gesinnter Bürger entfernte das Symbol der „alten Herrschaft", das Wappen der Grafen von Erbach, vom Rathaus. Es befand sich an einer Vertiefung an der Mauer links neben der Treppe, dort, wo heute ein Wappen für das ehemalige „Heimatmuseum" angebracht ist.

um 1910
Foto: Archiv RRO
Eine Abordnung fuhr nach Erbach, um mit dem Grafen eine Rückgabe des ehemaligen Reichelsheimer Zentwaldes im Herrenwald zu vereinbaren. Diese Unterredung verlief jedoch zum Nachteil der Reichelsheimer erfolglos. Daraufhin pflanzte man 1848 auf dem Marktplatz (heute Rathausplatz) eine Linde, die „Freiheitslinde", die an den Kreis jener beherzten Männer erinnert.
Die vielen Jahre, der Verkehr und zahlreiche Stürme ließen die „Freiheitslinde" altersschwach werden und wurde zu einem Sicherheitsrisiko auf dem Rathausplatz. Selbst ein begutachtender „Baumdoktor" konnte ihr nicht mehr helfen. So musste die „Freiheitslinde" auf dem Rathausplatz in Reichelsheim im Jahr 2007 zum Bedauern vieler Einwohner einem neuen Baum weichen.
Verantwortlicher Autor:
[Schwinn, Wolfgang]